Das „Thyra-Werk“ in der Heimkehle bei Rottleberode
Vom 20. bis zum 26. Februar 1944 flogen die Bomberverbände der Westalliierten massive und gezielte Angriffe auf die deutschen Flugzeugwerke. Die starke Beschädigung der Werke löste hektische Aktivität bei den deutschen Führungsspitzen aus. Bereits am 1. März 1944 richteten die Luftwaffe und das Rüstungsministerium ein interministerielles Gremium ein, den „Jägerstab“, welches umfangreiche Befugnisse erhielt, um die deutsche Flugzeugproduktion wiederaufzubauen und zu hohen Produktionsziffern zu verhelfen.[1] Das Gremium war zusammengesetzt aus Vertretern des Rüstungsministeriums, des Reichsluftfahrtministeriums (RLM), der SS und weiteren Behördenvertretern. Göring bestätigte die Einrichtung des Gremiums per Erlass drei Tage später und einen weiteren Tag später stimmte auch Hitler der Einrichtung zu. Die Führung des Gremiums lag in den Händen des Rüstungsministeriums in Person von Karl Otto Saur. Jedoch beruhte auch der Jägerstab, wie der Großteil der Arbeit des Rüstungsministeriums, auf einer engen Kooperation mit der Rüstungsindustrie, die viele der konkreten Vorschläge einbrachte. Die Entscheidungsgewalt blieb aber in den Händen Saurs. Eine zentrale Aufgabe des Gremiums war es, die wichtigsten Produktionsstätten zu dezentralisieren und bestenfalls in unterirdische Stollenanlagen, Eisenbahntunnel oder Höhlen zu verlegen.[2]
Schon Monate zuvor arbeitete der im November 1943 vom Reichsluftfahrtministerium eingerichtete „Sonderstab Höhlenbau“ an konkreten Plänen zur Verbringung von wichtigen Unternehmen der Flugzeugindustrie nach unter Tage.[3] Einen Monat später begannen das Rüstungsministerium und das RLM ihre Arbeiten auf dem Gebiet der Untertageverlagerung zu koordinieren, wobei das Rüstungsministerium die Richtlinienkompetenz beanspruchte und sich letztlich auch behauptete. Am 21. Februar 1944 richtete das Amt Bau den „Arbeitsstab für die unterirdische Verlagerung“ (Arbeitsstab U) ein, der neben Vertretern des Rüstungsministeriums und der Luftwaffe auch solche der SS besetzt war.[4] So konnte der Jägerstab auf umfangreiche Vorplanungen zurückgreifen, insbesondere auf eine vom „Arbeitsstab U“ am 24. Februar 1944 erstellte Liste von möglichen Verlagerungsstandorten und Rüstungsfirmen. Anfang März sahen die Planungen des Jägerstabs 103 Untertageprojekte vor.[5]
Lange vor der Gründung des Jägerstabs sahen die großherrlichen Planungen des Flugzeugbauers Junkers vor, seine Produktionsstätten für die Herstellung von kriegswichtigen Kampfbombern vor Luftangriffen geschützt, wenn auch nicht unterirdisch, dann aber zumindest dezentral, unterzubringen.[6] So entstanden neben vielen anderen auch zahlreiche Verlagerungsstätten im Umkreis von bis zu 50 Kilometern um Nordhausen. Ab Frühjahr 1944 lagerte der Konzern zahlreiche seiner Abteilungen etwa nach Bad Langensalza („Langenwerke“), Niederorschel und Mühlhausen („Mühlenwerke“) in Thüringen in oberirdische Produktionsstätten aus.[7] Dabei handelte es sich zumeist um beschlagnahmte Fabrikanlagen, die zu diesem Zweck stillgelegt und mit Hilfe von KZ-Häftlingen ausgebaut und später auch von ihnen betrieben wurden. Doch damit war der Platzbedarf des Flugzeugbauers nicht annähernd gedeckt. Die oberirdische Dezentralisierung sollte nur der erste Schritt sein, bis hinreichend unterirdischer Produktionsraum geschaffen war.
Im April 1944 war allein für den Junkers-Motorenbau eine Untertagefläche von 393.000 qm fest verplant, davon entfielen 60.000 qm auf das Mittelwerk, 320.000 qm auf den Ausbau Mitte mit Anhydrit B3 und letztlich das Kleinstprojekt in Braunsdorf mit 13.000 qm. Gleichermaßen sollten die Zellenwerke vor Luftangriffen geschützt untergebracht werden. Sieben Standorte sah der Jägerstab für Junkers für den Motorenbau vor, allein vier mit einer Gesamtfläche von fast 370.000 qm im Harz. Neben der bereits im März 1944 zugeteilten Heimkehle bei Rottleberode waren der Thekenberg bei Halberstadt (50.000 qm; Bauvorhaben „Malachit“) und diverse Champignonhöhlen im Umkreis der Stadt (Bauvorhaben „Makrele I und II“) für die Produktion von Flugzeugrümpfen bestimmt.[8] Zudem hoffte der „Jägerstab“, im Kohnstein die im Herbst 1943 stillgelegte Wifo-Erweiterung des „C“-Stollens wieder in Gang zu bringen und durch den Ausbau zusätzlich 250.000 qm Produktionsraum für den Zellenbau zu gewinnen (Bauvorhaben B 12).[9] Weitere Junkers-Untertagewerke mit einer Gesamtfläche von 42.000 qm waren im Salzkreis im Bau, in den Kaliwerken Aschersleben (‚Schächte IV und V‘ – Decknamen „Maikäfer“ und „Maus“) und Westeregeln (‚Schacht IV‘, Tarthun – Deckname „Maulwurf“).[10]
In Teilen nahm Junkers Anfang 1945 sogar noch den Produktionsbetrieb im Kaliwerk Westeregeln auf. Der Verlagerungsbetrieb für das Junkers-Werk Schönebeck ließ dort unter dem Decknamen „Salzwerke Westeregeln GmbH“ auf einer Fläche von 16.000 qm Rumpfteile montieren, unter Einsatz von Zwangsarbeitern des werkseigenen Buchenwalder KZ-Außenlagers. Die Existenz dieses Lagers lässt sich erstmals am 17. Oktober 1944 belegen. Zunächst betrug die Stärke 50 männliche Häftlinge, die bereits Ende Dezember 1944/Anfang Januar 1945 nach und nach anstieg und gegen Ende des Krieges die Höchststärke von 575 Häftlingen erreichte. In den Schächten der Ascherslebener Vororte Großschierstedt und Zörnitz brachte Junkers Teile seiner Zuschneiderei, der Zerspanung und des Elementebaues unter. Unter dem Junkers-Dach waren die „Salzwerke Westeregeln“, das in die Heimkehle ausgelagerte Zweigwerk, der Schönebecker Zweigbetrieb und die Mühlenwerke AG in Mühlhausen wirtschaftlich eng verflochten.[11]
Im April 1944 musste die Mittelwerk GmbH teilweise mit ihrer Produktion von Raketen weichen und den nördlichen Teil des ehemaligen Wifo-Tanklagers für eine „Stärkung der Jägerwaffe“ freimachen. In den Querstollen 1 bis 20 und den zugehörigen Abschnitten der Fahrstollen A und B richtete Junkers nach und nach einzelne Abteilungen seiner Motorenwerke Köthen, Leipzig und Magdeburg ein. Im Endausbau verfügte der Flugzeugbauer dort über etwa 40.000 qm an Stollenfläche und damit weitaus weniger als zunächst erhofft.[12] Die Transport- und Bauarbeiten zur Räumung durch das Mittelwerk und der Herrichtung der Stollen verrichteten Häftlinge des Lagers Dora.[13] Ende April 1944 legte der Chef der Mittelwerk GmbH, Albin Sawatzki, ein Konzept vor, das den geänderten Verhältnissen Rechnung trug. Die Fläche für die Raketenproduktion war von etwas über 100.000 auf ca. 60.000 qm reduziert. Aus Geheimhaltungsgründen trat der Junkers-Verlagerungsbetrieb einheitlich zusammengefasst unter dem Decknamen Nordwerke AG auf. Bis Mitte Juni 1944 zog der Flugzeugbauer seine Maschinen für die Herstellung von Großteilen aus Magdeburg und Köthen ab. Insgesamt fanden 2.180 dieser Maschinen Aufstellung im „Mittelraum“, davon allein 707 im Kohnstein (Stollanlage „Hydra“). Spätestens seit August 1944 stellte Junkers dort Strahltriebwerke für die Me 262 und den 12-Zylinder-Motor Jumo 213 her.[14]
Die von Junkers im Kohnstein nach und nach belegten 40 ha reichten aber bei Weitem nicht aus, um die steigenden Verluste von Kampfflugzeugen auszugleichen oder gar den Anforderungen im letzten Kriegsjahr zu genügen. Darauf stellte sich die Nordwerke AG vorausschauend ein und sicherte sich zusätzlichen Fabrikraum im „Sperrkreis Mittelbau“.[15] Noch 1944 vereinnahmte der Flugzeugbauer die Natron-, Zellstoff- und Papierfabrik in Oker, die Ilfelder Parkettfabrik Heinrich Rudolph sowie die beiden Gipsfabriken Karl Würth (Ellrich) und Kaselitz (Ilfeld). Bei der Porzellanfabrik Lindner in Jecha bei Sondershausen fand die Abteilung Werkzeugbau Unterschlupf. Die Steingutfabrik Carstens in Greußen und die dortige Zuckerfabrik dienten als Materiallager. Eine weitere Abteilung mit – im Dezember 1944 – 80 Beschäftigten, darunter 38 Ausländer, kam in Osterode am Harz unter, möglicherweise in Fabrikräumen der dortigen Firma Kellermann.[16] Die Nordwerke AG entwickelte sich binnen kürzester Zeit zum mächtigsten Arbeitgeber der Region. Im Dezember 1944 beschäftigte sie allein in ihren Produktionsbereichen im Kohnstein 8.604 Personen, 5.400 von ihnen Ausländer, etwa zu drei Vierteln Männer. Anfang 1945 dürfte ihre Zahl noch höher gelegen haben, wie eine Bevölkerungsübersicht vom 1. März 1945 nahelegt. Sie weist allein für den Stadtbereich Nordhausen 6.000 bei Junkers tätige Ausländer aus.[17]
Junkers nimmt die Heimkehle in Beschlag
Junkers verfolgte mit der Errichtung von Untertagefabriken im Südharz eine strategische Zielsetzung, die darauf abzielte, langfristig Rüstungswerke unter der Erde zu etablieren, die kriegswichtige Produktionsstätten vor Luftangriffen schützen sollten. Davon war aber nicht nur der Motoren- sondern auch der Zellenbau betroffen. So sahen die Planungen neben den Junkers-Großbauprojekten in der Region auch das stillgelegte Kaliwerk Neusollstedt sowie die Heimkehle für die Produktion von Flugzeugkomponenten vor. Während das Projekt in Neusollstedt letztlich aufgegeben wurde, machten die Planungen für das Verlagerungsprojekt in der Heimkehle rasche Fortschritte.[18] Schon am 1. Februar 1944, also noch vor Gründung des Jägerstabs, wies das Reichsluftfahrtministerium den Junkers-Werken die Heimkehle mit einer avisierten Fläche von 10.000 qm als zusätzlichen Verlagerungsstandort zu.[19] Gleichzeitig erging an Junkers die Aufforderung, dem von Göring eingerichteten Sonderstab „Höhlenbau“ innerhalb von 14 Tagen, also bis spätestens zum 15. Februar 1944, die notwendigen Bau- und Planungsunterlagen vorzulegen.[20] Dies ist auch der Grund dafür, dass die Naturhöhle in einer Aufstellung des Jägerstabs vom 12. März 1944 bereits als Verlagerungsprojekt A5 mit einer geplanten Nutzfläche von 3.000 qm ausgewiesen ist. Am 24. März 1944 erteilte das RLM den Verlegungsvorbescheid für die Errichtung eines Presswerks in der Heimkehle als schnelle Lösung zur Schaffung unterirdischen Produktionsraums.[21]
Am 13. März 1944, obwohl die offizielle Entscheidung zu diesem Zeitpunkt noch nicht gefallen war, begann Junkers mit dem Ausbau der für militärische Zwecke gesperrten Heimkehle. Schon drei Tage vorher, am 10. März 1944, belegten Mitarbeiter des SS-Führungsstabes zwei Büroräume im Landhaus vor der Höhle mit Beschlag.[22] Sie bereiteten offenbar die Ankunft des ersten Transportes von 200 aus Buchenwald abgeordnete Häftlinge vor, die vermutlich am 13. oder 14. April 1944 in Uftrungen eintrafen.[23] Unter ihnen die Funktionshäftlinge des neu gegründeten Außenlagers, wie der erste Lagerkapo Hubert Hagen (Haft-Nr. 4711), der Lagerschreiber und später zum Lagerkapo ernannte Walter Ulbricht,[24] der Verwaltungsschreiber Richard Schraven (Haft-Nr. 6036) sowie der Häftlingsarzt Josef Robert (Haft-Nr. 38802) und an seiner Seite der Pfleger Karl Reuter (Haft-Nr. 3606). Mit dem ersten Transport, der sich überwiegend aus polnischen und politischen Häftlingen zusammensetzte, kamen auch die lagereigenen Schneider, Friseure und Köche sowie die Vorarbeiter Winand Stang (Haft-Nr. 5095),[25] Bruno Seidel (Haft-Nr. 8156) und Daniel Friederes (Haft-Nr. 5324) nach Rottleberode. Genauso wie Hagen und Ulbricht trugen die drei letztgenannten den grünen Winkel als „BV-ler“ (Berufsverbrecher).[26]
Als erste Maßnahme des Transports vom 13. März 1944 sperrten die Häftlinge das Vorgelände zu einem Bauplatz ab. Der kleine gepflegte See vor dem Hotel musste weichen, um Platz für eine Verladerampe zu schaffen. Für die Anlieferung von Baumaterialien und Maschinen ließ der Junkers-Baustab eine Eisenbahnlinie bis zur Höhle errichten.[27] Anfang April und im Mai 1944 ergänzten zwei weitere Transporte mit zusammen 350 Personen den Häftlings-Bautrupp. Bis zu 600 Häftlinge führten in den folgenden Wochen in der Heimkehle bergbauliche Arbeiten durch. Sie trieben Zugangs- und Entlüftungsstollen in den Berg. Zudem waren die Höhlenseen im „Kleinen“ und „Großen Dom“ zu verfüllen und anschließend zu planieren. Ebenso setzten die Häftlinge Betonstützwände und Pfeiler zum Abfangen der Decken, so dass der ursprüngliche Charakter der seit 1920 für den Tourismus erschlossenen Schauhöhle nahezu vollständig zerstört wurde. An den Höhlenwänden waren Starkstrom- und Lichtleitungen zu verlegen. Auf den neu geschaffenen Betonböden ließ Junkers Baracken im „Großen Dom“ (25 x 30 m), im „Kleinen Dom“ (25 x 25 m) und kleinere Holzverschläge zum Schutz der Maschinen im „Riesentunnel“, der „Wilden Seehalle“ und der „Bergschmiede“ aufstellen. Um die Höhle als untertägige Produktionsstätte überhaupt nutzen zu können, waren mächtige Pumpenanlagen zur Ableitung des Wassers nach außen im dauerhaften Einsatz.[28]
Das Bauvorhaben trug den Decknamen „Heller“, teils ergänzt um die Nummer ‚406‘,[29] während die SS für das gleiche Projekt das Kürzel „A 5“ verwendete. Die Planung zu Errichtung des Thyra-Werkes stammte aus der Feder des Architekten Werner Issel, der nicht nur für das Werk in der Heimkehle verantwortlich zeichnete, sondern auch für die Junkers-Untertagebauprojekte in den Kaliwerken Aschersleben (Projekt „Maus“) und Tarthun (Projekt „Maulwurf“).[30] Eine interne Mitteilung der Junkers-Bauabteilung an die konzerneigene Rechtsabteilung vom 3. Mai 1944 hält fest, dass die Bauarbeiten zu dem Zeitpunkt noch voll im Gange waren.[31] Die Arbeit auf der Baustelle war, verglichen mit den anderen KZ-Baukommandos, kräftezehrend. Wie erschöpfend die Arbeit und ihre Bedingungen auf der Baustelle waren, zeigt sich daran, dass die SS mehrfach Häftlinge wegen völliger Entkräftung zurück ins Stammlager nach Buchenwald überstellte. Darunter fünf Häftlinge, die am 15. April 1944, also schon wenige Wochen nach Ankunft in Rottleberode, im Buchenwalder Häftlingskrankenbau Aufnahme fanden. Ein weiterer Mithäftling wurde tot eingeliefert.[32] Am 21. Mai 1944 ließ das SS-Kommando A5 vier weitere Häftlinge in den Revierkrankenbau einweisen. Weitere 11 Häftlinge stufte die SS als untauglich für das Arbeitskommando A5 ein. Auch sie kehrten ins Stammlager zurück.[33] Am 30. Juni 1944 schob die SS weitere zehn ihrer Bauhäftlinge ab.[34]
Für die Unterkünfte der Häftlinge richtete die SS in den Räumen der zuvor bereits brachliegenden Porzellanfabrik Max Schuck am Ortsrand von Rottleberode ein Häftlingslager ein. Zu diesem Zweck pachtete Junkers das brachliegende Gebäude von dem Inhaber Schuck zur „Einrichtung als KZ-Lager zur Fertigung für Objekt Nr. 406 Heller“ an.[35] Im Erdgeschoss befanden sich Küche, Wasch- und Abstellräume, in den beiden Obergeschossen die Häftlingsunterkünfte. „Es ist ein großer, mehrstöckiger Steinbau in dem früher einmal eine Fabrik betrieben wurde“, erinnert sich ein ehemaliger Aufseher, der Luftwaffensoldat Willy Mirbach. „Mit der Rückseite grenzt das Gebäude, durch einen Hof getrennt, an eine steile Felswand von etwa fünfzehn bis zwanzig Meter Höhe, und oben auf der Felswand steht ein Wachturm von etwa zehn Meter Höhe, ringsum mit Glas geschlossen und einem Scheinwerfer eingebaut. Außerdem stehen an den vier Ecken des Lagers noch Wachtürme, die jedoch nur einige Meter hoch und ringsum offen sind. Auch dieses Lager ist mit einem elektrischen Zaun (…) gesichert. (…) An der linken Kopfseite des Lagerzauns befindet sich das Eingangstor, stark mit Stacheldraht gesichert und einem Posten mit Gewehr davor“.[36] Die Schreibstube brachte die SS im requirierten Wohnhaus der Familie Schuck unter.[37]
Austausch der Bauhäftlinge
Ende Juli 1944 waren die unterirdischen Werkhallen in der Heimkehle hergerichtet, so dass der Einbau der Produktionsanlagen begann. Die Kosten für Ausbau und Einrichtung der Flugzeugfabrik in der Heimkehle beliefen sich auf etwa 2,6 Millionen RM, die das Reich trug.[38] Allein für die Unterhaltung des KZ-Lagers in Rottleberode forderte Junkers von der Staatskasse 16.640,30 RM. Weiterhin stellte der Flugzeugbauer die an die SS gezahlten „Nutzungsentgelte“ für die beschäftigten Bau-Häftlinge mit 177.600 RM in Rechnung. Für Häftlingstransporte vom Lager zur Baustelle brachte die Reichsbahn gegenüber Junkers 13.674 RM in Ansatz, die sich der Konzern ebenfalls vom Reich erstatten ließ. Insgesamt waren es „Aufwendungen“ von 207.940,30 RM für die beim Ausbau der Heimkehle zwangsrekrutierten KZ-Arbeiter, die mit in die Gesamtbaukosten einflossen.[39] Nach Beendigung der Arbeiten und Inbetriebnahme des Junkers-Werkes schob die SS die völlig ausgemergelten und für die Produktion nicht infrage kommenden Häftlinge des Baukommandos auf andere Baustellen im „Mittelraum“ ab, u. a. am 24. Juli 1944 zum Junkers-Untertagebauprojekt B 3 in Woffleben bei Nordhausen.[40]
Die meistenzuvor in der Heimkehle tätigen Bauhäftlinge aber wechselten von dort auf die nur wenige Kilometer entfernt befindliche und im Aufbau befindliche Untertagebaustelle bei Stempeda (Lava, Deckname B 4). Dort sollte für Junkers zum Zwecke der Verlagerung des Presswerkes aus Dessau ein weiteres Stollensystem in den Berg getrieben werden. Im Sommer 1944 entstand bei Junkers der Plan, das dem Zellenbau dienende Presswerk aus Schönebeck in die Nähe des Thyra-Werkes nach Stempeda (Projekt B 4) zu verlegen.[41] Drei Hauptstollen und sieben Querstollen und eine Produktionsfläche von 14.000 qm wurden projektiert; der Bau begann im Sommer 1944.[42] Am 25. August 1944 waren erstmals 50 KZ-Häftlinge aus dem Außenlager Rottleberode auf der Baustelle eingesetzt, nach wenigen Tagen waren es durchschnittlich 300.[43] Anfangs waren die in Stempeda beim Stollenvortrieb zwangsrekrutierten Arbeitskräfte noch zusammen mit den Junkers-Produktionshäftlingen in den Gebäuden der Porzellanfabrik Schuck, dem Lager ‚Heinrich‘, untergebracht.[44] Die schon von der Schwerstarbeit zermürbten Häftlinge mussten täglich die drei Kilometer von Rottleberode nach Stempeda und zurück zu Fuß zurücklegen,[45] ungeachtet ihrer körperlichen Verfassung. Berichtet wird, dass im Spätherbst die Wege derart aufgeweicht waren, dass die Häftlinge mit ihren viel zu weiten, vollgesogenen Segeltuchgaloschen immer wieder im Schlamm stecken blieben.[46] Letzten Endes nahmen sie auch bei extremster Witterung das ungeeignete Schuhwerk in die Hand und gingen barfuß weiter, was die Erkrankungsgefahr noch erhöhte. „Die Kleidung der Häftlinge war dünn und sie froren jämmerlich“, heißt es in den Erinnerungen des Luftwaffensoldaten Willy Mirbach: „Es war ein Bild des Jammers, wenn man sah, wie die Häftlinge mit blauen Lippen und eingezogenem Kopf zur Arbeit gehen mussten“.[47]
Von März bis November 1944 war SS-Sturmführer Heinz Grabowski Lagerführer. Ihm folgte SS-Scharführer Erhard Brauny, der diese Funktion seit dem 20. November übernahm.[48] An seiner Seite stand als stellvertretender SS-Unterscharführer Hermann Lamp, der ab Februar 1945 als Lagerführer in das Dora-Nebenlager Stempeda (B 4) wechselte. An ihrer Seite standen Paul Maischein und SS-Sturmmann Kaschinski als medizinisches Personal.[49] Der 1904 als Kind einer Arbeiterfamilie im schlesischen Hindenburg geborene Karl Paul Semmler war Funktionshäftling und Lagerkapo. Wegen des „Verdachts kommunistischer Betätigung verhaftet, kam er Anfang April 1938 als KZ-Häftling in das KZ Buchenwald. Ende März überstellte die SS ihn in das Außenlager Wernigerode im Harz und übernahm dort bereits einen der beiden Kapo-Posten im Lager am Veckenstedter Weg (Außenkommando der Rautal-Werke).[50] Im Dezember 1944 wechselte er in das Außenlager Rottleberode. Durch seinen Kontakt zum Lagerkommandanten, den er bereits aus Buchenwald und Wernigerode kannte, nahm er auch dort die Stellung als Kapo des Kommandos mit bis zu 900 KZ-Gefangenen ein.[51] Der Erinnerungsbericht von Semmler, den er 1970 verfasste, gibt in Teilen Aufschluss über die Bedingungen im Lager ‚Heinrich‘ und dem ‚Thyra-Werk‘, auch wenn seine Angaben zu hinterfragen und inhaltlich zu werten sind.[52]
Auf der zum KZ-Lager Rottleberode gegenüberliegenden Straßenseite befand sich das großangelegte, 20 Baracken umfassende Lager „Waldschlösschen“, in dem Zwangsarbeiter der Werkzeug- und Maschinenfabrik Stock & Co. untergebracht waren. Im Thyratal gelegen, stellte die Firma Hülsen für 8,8-cm-Panzersprenggranaten her. Das Lager stand mit dem KZ-Außenkommando in keinem Zusammenhang, doch hatten die dortigen Insassen direkten Einblick auf das KZ-Lager.[53] Der französische Stock-Arbeiter Victor Mouillec erinnert sich: „Am 22. November 1944 wurden wir mit den Russen im Lager Rottleberode zusammengelegt, gleich gegenüber dem Lager für jüdische und politische Häftlinge. Von dort beobachteten wir die Grausamkeiten, die Appelle um 4:00 Uhr morgens […], den Abtransport nach Dora [gemeint ist die Baustelle Stempeda], die Rückkehr am Abend, die Wagen randvoll mit Leichen“.[54] Bei den Lagerinsassen war das Arbeitskommando B 4 wegen der mörderischen Arbeitsbedingungen im Stollenvortrieb besonders gefürchtet.
Insbesondere die 400 im Januar 1945 aus dem polnischen Tschenstochau über Buchenwald und Dora nach Stempeda evakuierten Arbeitssklaven waren zusätzlich noch Misshandlungen ausgesetzt.[55] Einige von ihnen sollen während der Arbeit derart geprügelt worden sein, dass sie den Verletzungen erlagen. SS-Angehörige besaßen auch den Sadismus, als antisemitische Repressalie jüdische Häftlinge mitten im Winter in den vor den Stolleneingängen angestauten Krebsbach zu treiben. Dokumentiert ist das Schicksal eines jüdischen Häftlings, der sich krank gefühlt und daher während der Arbeit sein KZ-Mäntelchen angelassen hatte. Einer der SS-Offiziere ließ ihn zur Strafe ein Loch in den Stautümpel hacken und von zwei SS-Posten so lange ins Wasser tauchen, bis er erfroren war.[56] Berichtet wird, dass auch Kapos im Stollen Häftlinge erschlugen oder vor beladene Loren warfen, so dass sie überrollt wurden.[57]
Aber auch für die Junkers-Bauhäftlinge gab es keine Gewissheit, nicht doch noch in eines der berüchtigten Baukommandos abgeschoben zu werden. Am 9. Oktober 1944 meldete das SS-Kommando Rottleberode die Überstellung eines polnischen Fertigungshäftlings wegen Werksuntauglichkeit zum Bausektor. Einen Leidensgenossen von ihm überstellte die Lagerleitung dem Buchenwalder Häftlingskrankenrevier wegen des TBC-Verdachts. Im Austausch wechselten zwei polnische Häftlinge, ein Schlosser und Techniker, aus dem Bausektor, in die Produktion von Flugzeugteilen im ‚Thyra-Werk‘. Offenbar eine eigenmächtige Entscheidung. Die Regionallagerleitung bat in Buchenwald im Nachhinein um Genehmigung.[58]
Bis Ende 1944 war die Zahl der Insassen im Lager ‚Heinrich‘ durch die Zuführung von weiteren KZ-Arbeitssklaven auf 900 Personen gewachsen, so dass Junkers nicht mehr bereit war, für Unterkunft und Verpflegung der weiterhin in der ehemaligen Porzellanfabrik untergebrachten Bauhäftlinge des Arbeitskommandos B 4 aufzukommen. Der Konzern drängte, ihm diese „unproduktiven“ Arbeitskräfte abzunehmen. Anfang 1945 verlegte die SS-Bauleitung offenbar einen Teil der Bauhäftlinge mit KZ-Status in ein eigens für sie eingerichtetes Barackenlager in der Nähe der Baustelle B 4 in Stempeda. Die Zuweisung von 400 weiteren Häftlingen aus dem polnischen Tschenstochau führte dazu, dass das Lager Stempeda, das seit Anfang Februar 1945 ein offizielles Außenlager des KZ Mittelbau-Dora war, wahrscheinlich nicht mehr ausreichend Platz für alle Insassen bot. Daher verblieben weiterhin Bauhäftlinge im Lager ‚Heinrich‘ und mussten die etwa vier Kilometer lange Strecke zur Baustelle weiterhin zu Fuß zurücklegen.[59] Am 22. März 1945 verließen weitere 25 Häftlinge das Konzentrationslager Mittelbau in Richtung Rottleberode.[60]
Produktionsbeginn in der Heimkehle
Am 26. Juli 1944 forderte Junkers erstmalig Häftlinge für die Produktion seines „Thyra-Werkes“, nach dem in unmittelbarer Nähe verlaufenden Harzflüsschen Thyra benannt, an. Die Häftlinge arbeiteten in zwei Schichten zu je 12 Stunden und marschierten anfangs noch zu Fuß zur Arbeitsstelle. Um Arbeitsausfälle der für die Produktion angelernten Kräfte und Facharbeiter durch den langen Anmarsch vom Lager in Rottleberode zur Arbeitsstätte in der Heimkehle zu vermindern, verlangte Junkers den Bau eines provisorischen Eisenbahn-Haltpunktes an der Heimkehle. Bis November 1944 rechnete die Reichsbahn die Transportkosten auf der Grundlage geschätzter Häftlingszahlen ab, doch stieß dies auf Widerstand des Flugzeugbauers. Dies war auch Thema einer Besprechung der kaufmännischen Betriebsleiter der Verlagerungsbetriebe, die am 11. November 1944 in Schönebeck stattfand. Die Besprechungsniederschrift hält zum Thyra-Werk fest: „Zur Intensivierung der Arbeitsleistungen der im Wareneingang eingesetzten Häftlinge ist ein zweiter Kapo einzusetzen. […] Die Reichsbahn belastet uns für den Transport der Häftlinge vom Lager zum Betrieb und zurück mit Beträge, die sich aus geschätzten Zahlen zusammensetzen.[61]
Mitte August 1944 lief die Produktion von Fahrwerken und Zubehörteilen für Flugzeugrümpfe langsam an, wenngleich noch nicht alle Maschinen installiert waren. Junkers lag damit aber im Rahmen des im April 1944 aufgestellten Zeitplans, wonach im August des Jahres 1.800 qm und im Folgemonat sämtliche vorgesehenen 3.000 qm nutzbar sein sollten. Die Junkers-Planungen sahen allerdings zunächst eine andere Belegung vor, doch reichte der Platz in der requirierten Kammgarnspinnerei Thuringia in Mühlhausen, einem weiteren dezentralen Verlagerungsstandort, nicht aus. Dort fanden nur der aus Schönebeck verlagerte Werkzeugbau (Herstellung von Vorrichtungen, Schneide- und Messwerkzeugen) und das Presswerk (Anfertigung kompletter Blechpressteile mittlerer Größe) Unterkunft. Die für eine Verlagerung ebenfalls vorgesehene Abteilung Zerspanung (Gurtprofil-, Kugelpfannen- und Gurtfertigung) musste wegen Platzmangels in die Heimkehle weichen. Obwohl das ‚Thyra-Werk‘ bereits seit Monaten in Betrieb war, meldete Junkers das Zweigwerk in der Heimkehle erst am 1. Februar 1945 bei der Hauptfinanzverwaltung Dessau, rückwirkend ab Juni 1944, an.[62]
Zwischen dem 18. August und 22. September 1944 gab der Junkers-Verlagerungsbetrieb in Mühlhausen – Deckname „Mühlenwerk AG“ – zahlreiche Maschinen an das Thyra-Werk in der Heimkehle ab, darunter fünf Fräsen und acht Drehbänke. Nach und nach zog die gesamte Sektion für Rumpfträgergurte (TM-Gurte) aus Mühlhausen in das Thyra-Werk um, mitsamt den an den Maschinen eingearbeiteten KZ-Häftlingen, von denen 36 am 25. September 1944 in Rottleberode eintrafen.[63] Zusätzlich stellte das Junkers-Stammwerk Schönebeck angelernte, bereits in der Flugzeugproduktion tätige Häftlinge ab. Eine erste Gruppe von 61 Personen traf am 31. Juli 1944 in Rottleberode ein. Fünf weitere Transporte aus Schönebeck folgten, 35 KZ-Häftlinge am 25. September,[64] 60 am 23., 5 am 03. Oktober[65], 61. am 23. Oktober[66] und 59 am 26. Oktober.[67] Ein weiterer Transport aus Dora ließ die Zahl der in der Heimkehle im Zweischichtbetrieb arbeitenden Häftlinge am 30. November 1944 auf 545 anschwellen. Diese Lagerstärke blieb bis Ende März 1945 etwa konstant. Zeitweise bestand die Belegschaft des Thyra-Werkes zu 80 % aus KZ-Insassen. Allein für Oktober 1944 überwies Junkers für die Tätigkeit der Häftlinge seines Thyra-Werkes dem KZ Buchenwald ein Entgelt von 50.060 RM. Durchschnittlich standen bis zu 600 KZ-Häftlinge an den Werkbänken in der Heimkehle. Während der Tätigkeit in der Höhle bewachten und beaufsichtigten deutsche Zivilisten, Ingenieure und Vorarbeiter die KZ-Arbeiter. Die Maschinen liefen Tag und Nacht ohne Pause. Nur sonntagnachmittags ließ Junkers die Maschinen putzen und die Hallen kehren.[68]
Die Junkers-Produktionshäftlinge erhielten meistens eine bessere Verpflegung als ihre auf der Baustelle B 4 eingesetzten Mithäftlinge, obwohl deren Tätigkeit wesentlich kräftezehrender war. In Rottleberode erhielten die im Thyra-Werk arbeitenden Häftlinge mehr zu essen als diejenigen, die auf der Baustelle vor und in den Stollen von Stempeda tätig waren.[69] Junkers-Arbeiter erhielten täglich 250 Gramm Brot, 15 Gramm Margarine, einen Esslöffel Marmelade und 30 Gramm Blutwurst, die die Häftlinge als Verdunkelungswurst bezeichneten. Das Mittagessen bestand zumeist aus fünf bis sechs Pellkartoffeln ohne Fleisch, dazu Runkelrübenblätter als Spinat zubereitet oder Weißkohl als Zulage. Am Wochenende gab es dazu 50 Gramm Pferde- oder Rindfleisch.[70] Aber auch die Produktionshäftlinge waren nicht gegen Repressalien geschützt, wie ein Zwischenfall belegt. Ein französischer Häftling, der an einer Schmirgelmaschine arbeitete, zerbrach versehentlich eine Schutzvorrichtung. Einer der Vorarbeiter schlug ihn dafür mit einem Alu-Gussstück auf den Hinterkopf. Der Häftling erlitt eine fünf Zentimeter lange Wunde, die stark blutete.[71] Aber auch andere Verletzungen, wie Fremdkörper im Auge, Leistenbrüche oder eine Fraktur des Unterschenkels führten zur Einweisung von Produktions-Häftlingen in den Häftlingskrankenbau.[72]
Etwa 30 aus Schönebeck abkommandierte ausländische Zivilarbeiter, vor allem Belgier und Franzosen, verstärkten die Belegschaft. Sie fanden Unterkunft im Festsaal der Gemeinde Uftrungen und wurden in einem ehemaligen Hotel nahe der Arbeitsstätte verpflegt.[73] Außerhalb der Arbeitszeit konnten sie sich frei bewegen. Im November 1944 zahlte Junkers für die angemietete Gemeinschaftsunterkunft täglich 0,25 RM pro Bett und weiteren 0,25 RM für das Frühstück. Junkers war auf Dauer nicht dazu bereit, solch hohe Kosten zu tragen. Daher verlangte die Hauptverwaltung, unverzüglich mit dem Vermieter eine pauschale Monatsmiete für den belegten Saal festzulegen, „in welcher Morgenkaffee und Reinigung“ enthalten sind. Als Richtsatz wurden 0,30 bis 0,40 RM pro qm genannt. Der Betrag sollte dann bei den „Gastarbeitern“ unter Anwendung des im Mutterwerk geltenden Abrechnungsverfahrens vom Lohn einbehalten werden.[74]
Ende März 1945 kam die Produktion des Thyra-Werkes nahezu vollständig zum Erliegen, nachdem es in den Wochen zuvor durch Luftangriffe immer wieder zu Beeinträchtigungen gekommen war. Am 4. April 1945 zerstörte eine Bombe die Trafostation des Thyra-Werkes.[75] Noch am selben Tag erhielt Kommandoführer Erhard Brauny vom Stammlager ‚Dora‘ Befehl, die Arbeiten unverzüglich einzustellen, die Räumung des Lagers ‚Heinrich‘ vorzubereiten und alle Häftlinge am Folgetag zur „Evakuierung“ zum Bahnhof in Niedersachswerfen zu führen. Nur wenige der Thyra-Häftlinge erlebten das Kriegsende.[76]
Quelle:
[1] Baranowski, Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands von 1929 bis 1945, S. 231 ff.; Budraß, Flugzeugindustrie und Luftrüstung, S. 868 ff.; Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft, Bd. III/1, S. 16 ff.; Milward, Die deutsche Kriegswirtschaft, S. 123 ff.; Kooger, Rüstung unter Tage, S. 92-116; Eichholtz, Kriegswirtschaft, Bd. 3, S. 14-32; Schulte, Zwangsarbeit, S. 406-412; Buggeln, Das System der KZ-Außenlager, S. 101 f.
[2] Wagner, Zwangsarbeit im Konzentrationslager, S. 38; Milward, Die deutsche Kriegswirtschaft, S. 125 f.
[3] BA-MA, RL3/65, Bl. 1, Befehl des Luftwaffenchefs Hermann Göring vom 06.11.1943.
[4] BAL, NS 19/3929, Erlass über die Bildung des Jägerstabes vom 01.08.1944; Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft, Band III/1, S. 51.
[5] BAL, R3101/1173, Bl. 148 ff., Erlass des Reichsministeriums für Rüstung und Kriegsproduktion vom 21.02.1944, der die Unterschrift des Leiters des Amtes Bau, Stobbe-Dethleffsen, trägt; Ebd., Bl. 152, Niederschrift über die 2. Besprechung des „Arbeitsstabes U“ am 27.02.1944 im Amt Bau; Ebd., Bl. 153 ff., Liste der Bauvorhaben der 1. Welle vom 24.02.1944.
[6] LAHASA, DE, I 410, Nr. 626, Bl. 74 ff., Übersicht der Junkers-Verlagerungsprojekte, Stand 31.07.1944.
[7] LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 626, Bl. 54, JFM-Verlagerungsstätten (Stand Dezember 1944); Ebd., Bl. 75, Betriebsverlagerungen der JFM.
[8] LAHASA, DE, I 410, Nr. 626, Bl. 74 ff., Übersicht der Junkers-Verlagerungsprojekte, Stand 31.07.1944.
[9] BAL, R3101/3173, Bl. 191, Bestand und Bedarf unterirdischer Bauvorhaben vom 14.04.1944; Ebd., Bl. 186 ff., Aufstellung des Jägerstabes vom 13.04.1944 wegen Deckung des Raumbedarfs durch unterirdische Verlagerungen; Baranowski, Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands von 1929 bis 1945, S. 217 ff.
[10] LAHASA, DE, I 410, Nr. 626, Bl. 74 ff., Übersicht der Junkers-Verlagerungsprojekte, Stand 31.07.1944.
[11] LAHASA, Junkers-Werke, Nr. 1372, Bl. 110.
[12] BAL, R3101/1172, Bl. 292, Bericht Dr. Wegener über den Besuch vom 15. und 16.01.1945.
[13] Wagner, Produktion des Todes, S.
[14] LAHASA, DE, I 410, Nr. 626, Bl. 77, Seite 4 der Übersicht der Junkers-Verlagerungsprojekte, Stand 31.07.1944. Das in der Heimkehle angesiedelte Werk wird an Nummer 1 der Aufstellung, und zwar mit dem Vermerk Verlegungsvorbescheid 27.05.1944; Ebd., I 410 Nr. 1367, Bl. 13, 39 und 40, Aufstellung der Betriebsverlagerungen vom 28.08.1944. Laut Neander, „Hat in Europa kein annäherndes Beispiel“, S. 88, soll die Produktion von Düsen- und Kolbentriebwerken bereits im Mai 1944 begonnen haben.
[15] BA-MA, RL3/4851, Postenstellenplan der Nordwerke AG ab 01.10.1944; Ebd., RL3/4535, Gemeinkosten-Nummernplan, gültig ab 01.10.1944; LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 761, Bl. 107, Aufstellung der Junkers-Betriebsstätten, o. D.
[16] BA-MA, RL3/4851, Sonderzuteilung an Junkers-Zweigwerke unter Nennung der Belegschaftszahlen.
[17] StadtA Nordhausen, Statistiken der Stadt Nordhausen, S. 257, Bl. 5.
[18] LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 1372, Bl. 109.
[19] LAHASA, Junkers-Werke, Nr. 1372, Bl. 110, Reichsminister der Luftfahrt an Junkers-Werke Dessau vom 01.02.1944 wegen bombensicheren Fertigungsräumen. Mitteilung, dass für die Teilefertigung von Zellen nachfolgende Objekte vorgesehen waren: Salzbergwerk Neusollstedt (70.000 qm), Felsenkeller Halberstadt (25.000 qm), Brauereikeller Halberstadt (25.000 qm), Salzbergwerke Aschersleben (60.000 qm) und Heimkehle (10.000 qm).
[20] LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 1372, Bl. 110.
[21] LHASA, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 626, Bl. 54; Nr. 1372, Bl. 96 ff.; ebenda, Nr. 1372, Bl. 96, Reichsminister der Luftfahrt an Junkers Schönebeck vom 24.03.1944 wegen Verlegung des Presswerkes in die Heimkehle.
[22] LHASA, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 410, Nr. 1372. Ab dem 12. April 1944 fanden die Mitarbeiter des SS-Führungsstabes im Landhaus auch persönlich Unterkunft.
[23] ITS Arolsen, Dokument 5319894 ff., Transportliste vom 13.03.1944.
[24] Walter Ernst Ulbricht (Haft-Nr. 837) wurde 28.07.1904 in Leipzig-Lindenau geboren. Er war Kapo im Außenlager Rottleberode. Im Dachauer Dora-Prozess wurde er am 30.12.1947 zu fünf Jahren Haft verurteilt. Im Dezember 1949 wurde er dort entlassen.
[25] Der am 14.09.1904 in Lannesdorf bei Köln geborene Winand Stang wurde im Juni 1941 u. a. wegen Diebstahl und Schmuggel zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt. Nach Abschluss der Bauarbeiten in der Heimkehle wechselte er als Kapo zum Bauvorhaben B 4 in Stempeda. Am 18.10.1944 bat der Kommandoführer des SS-Kommandos Rottleberode in Buchenwald darum, dem „Schutzhäftling Nr. 5095/RD Stang, Winand […] um Aushändigung seiner Uhr (Armband) aus den Effekten. Der Häftling Stang ist der Kapo beim Bauvorhaben B 4 und benötigt zur Einhaltung der Arbeitszeit dringend eine Uhr.“ ITS Arolsen, Dokument 7174700, SS-Kommando Rottleberode an I. Schutzhaftlagerführer des KL Buchenwald vom 18.10.1944.
[26] ITS Arolsen, Dokument 8034599, Liste der Funktionshäftlinge Transport Heinrich, ohne Datum.
[28] Ziegler, Konzentrationslager im Kreis Sangerhausen, S. 26.
[29] Wichert, Decknameverzeichnis, S. 125, 133; LAHASA, Junkers-Werke, 410, Nr. 640.
[30] LAHASA, Junkers-Werke, 410, Nr. 493, Bearbeitungsverträge und Abrechnungen für den Architekten Werner Issel betreffend die Objekte ‚Maus I‘, ‚Maus II‘, ‚Maulwurf‘ und ‚Heller 406‘.
[31] LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 1372, Bl. 102, Spott an HV-Rechtsabteilung vom 03.05.1944
[32] ITS Arolsen, Dokument 8034599, Meldung Häftlingskrankenbau vom 15.04.1944.
[33] Ebd., Dokument 8034599, Transportliste SS-Außenkommando A5 vom 21.05.1944.
[34] Ebd., Dokument
[35] LAHASA, De, I 410, Nr. 640, Verhandlungen Junkers Flugzeug- und Motorenbau mit der Firma Porzellanfabrik Rottleberode, Inhaber Schuck, zur Verlagerung des Zweigwerkes Schönebeck.
[36] Mirbach, Damit du es später deinem Sohn einmal erzählen kannst, S. 98.
[37] BAL, NS 48/26, Protokoll SS-Sturmbannführer Dr. Ding über Besichtigung Bauvorhaben, o. D.
[38] LAHASA, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 703, Bl. 5, Junkers an Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion vom 16.02.1945; Ebd., Bl. 18, Junkers an Industriekontor GmbH vom 05.02.1945.
[39] Ebd., Nr. 1382, Bl. 22, JFM Belastungsaufgabe vom 18.01.1945.
[40] Thür. HStA Weimar, NS 4/vorl. 136 a, Veränderungsmeldung des KZ Buchenwald.
[41] BAL, R3101/1234, Erfassungsbogen Vorhaben B 4, Oktober 1944; Nds. HStA Hannover, Hann. 184, Acc_9_3740, OBA Halle an OBA Clausthal vom 09.01.1945.
[42] BAL, R3101/1234, Bl. 2 ff., Erfassungsbogen des Bergamtes Eisleben über den Stand des Bauvorhabens B 4 vom Oktober 1944; LHASA, DE, Junkers Flugzeugbau DE, Nr. 1375, Bl. 10, Verlagerungsübersicht der Aufnahmebetriebe Junkers Schönebeck vom 15.03.1945.
[43] ITS Sachdokumenten-Ordner Buchenwald 53 (2000), Bl 414, Arbeitseinsatz-Abrechnungen des Kommandos B 4.
[44] DMD, EB/HF-1, Aussage des Häftlings Andre Carré; Bestand 50.10.15.11, Monatsbericht des Häftlingsreviers des Außenkommando Rottleberode vom 21.12.1944 bis 20.01.1945. Mirbach, Damit du es später deinem Sohn einmal erzählen kannst, S. 98 ff.
[45] ITS Arolsen, Dokument 7174700, SS-Kommando Rottleberode an I. Schutzhaftlagerführer des KL Buchenwald vom 18.10.1944.
[46] Mirbach, Damit du es später deinem Sohn einmal erzählen kannst, S. 110 f.
[47] Ebd.
[48] SS-Hauptscharführer Erhard Richard Brauny, geb. 1913, gehörte seit 1937 zur Wachmannschaft des KZ Buchenwald. Von August 1943 bis November 1944 war er Rapportführer im KZ Dora-Mittelbau, dann Kommandoführer des zum Thyra-Werk gehörenden Arbeitslagers „Heinrich“ in Rottleberode.
[49] Wagner, Jens-Christian: Produktion des Todes, Göttingen 2015, S. 626.
[50] Eventuell erfolgte die Überstellung auch erst später, und zwar am 24.07.1944. ITS Arolsen, Dokument 84603658.
[51] Gring, Diana: „[…] immer zwischen zwei Feuern.“, in Beiträge zur Geschichte der nationalsozialistischen Verfolgung in Norddeutschland, Heft 4, Bremen 1998, S. 97 ff.
[52] Gedenkstätte Wernigerode, Bericht Karl Semmler, 1970.
[53] Ziegler, Auf Spurensuche, S. 80; Baranowski, Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands von 1929 bis 1945, S. 322.
[54] Sammlung Baranowski, Erinnerungsbericht Victor Mouillec. Übersetzung Karl-Udo Bigott, Göttingen; Baranowski, Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands von 1929 bis 1945, S. 322.
[55] BA Ludwigsburg, 429 AR-Z 192/72, Bl. 86 f., Aussage Abraham E. vom 23.05.1968; Ebd., Bl. 88 ff., Aussage Hersch J. vom 14.05.1968.
[56] DMD, EBIA-96, Zusammenfassender Bericht über den Leidensweg der ehemaligen Häftlinge des KZ-Lagers Rottleberode, S. 5 f.; Heimatgeschichtlicher Wegweiser, Band 8 (Thüringen), S. 200.
[57] DMD, EBIA-96, Zusammenfassender Bericht über den Leidensweg der ehemaligen Häftlinge des KZ-Lagers Rottleberode, S. 5 f.; Heimatgeschichtlicher Wegweiser, Band 8 (Thüringen), S. 200.
[58] ITS Arolsen, 5319936, SS-Kommando Rottleberode an Arbeitseinsatzführer Buchenwald vom 09.10.1944.
[59] Volkmann, Sophie: Das KZ-Außenlager Rottleberode, Leipzig 2012, S. 28. Hiernach waren 525 Bauhäftlinge in Stempeda und weitere 380 im Lager ‚Heinrich‘.
[60] ITS Arolsen, Dokument 2533251, Transportliste vom 22.03.1945.
[61] LAHASA, De, I 410, 1367, Bl. 16 ff., Niederschrift der Besprechung vom 15.11.1944.
[62] LAHASA, De, I 410, Nr. 1367, Bl. 4, Betriebsmeldung an Hauptfinanzverwaltung Dessau vom 01.02.1945.
[63] ITS Arolsen, Dokument 5319932, SS-Kommando Thyra an das Stammlager Buchenwald, Aufstellung der aus Mühlhausen überstellten Häftlinge vom 25.09.1944.
[64] Ebd., Dokument 5319933, Liste der aus Schönebeck überstellten Häftlinge vom 25.09.1944.
[65] Ebd., Dokument 5319934, Liste der aus Schönebeck überstellten Häftlinge vom 03.10.1944.
[66] Ebd., Dokument 5319940, Transportliste vom 23.10.1944.
[67] Ebd., Dokument 5319942, Transportliste vom 26.10.1944.
[68] Gedenkstätte Wernigerode, Bericht Karl Semmler, 1970.
[69] Wagner, Jens-Christian: Produktion des Todes, Göttingen 2015, S. 440.
[70] Gedenkstätte Wernigerode, Bericht Karl Semmler, 1970.
[71] Ebd.
[72] ITS Arolsen, Dokumente 2536077, 2536078, 2536081, 2536082, 2536083, Überstellungslisten in den Häftlingskrankenbau.
[73] DMD, EB/A-114, Erlebnisbericht des ehemaligen belgischen Zwangsarbeiters Jean D’Hoker.
[74] LAHASA, De, I 410, 1367, Bl. 16 ff., Niederschrift der Besprechung der kaufmännischen Betriebsleiter der Verlagerungsbetriebe am 11.11.1944 in Schönebeck.
[75] Gedenkstätte Wernigerode, Bericht Karl Semmler, 1970.


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